EDI-Anbindung als Kundenanforderung: Checkliste für Zulieferer
„Ab dem nächsten Quartal erwarten wir die Anbindung per EDI." Ein Satz, der bei vielen kleineren und mittleren Zulieferern erstmal für Unsicherheit sorgt. Große Handelsunternehmen, Konzerne und OEMs verlangen von ihren Lieferanten zunehmend eine EDI-Anbindung als Voraussetzung für die weitere Zusammenarbeit.


Wer noch nie mit EDI zu tun hatte, steht dann vor der Frage, wo überhaupt anzufangen ist.
Diese Checkliste bringt Struktur in den Prozess.
1. Anforderungen des Kunden im Detail klären
Bevor irgendetwas technisch umgesetzt wird, braucht ihr Klarheit über die konkreten Vorgaben eures Kunden:
- Welcher Nachrichtenstandard wird verlangt (EDIFACT, ANSI X12, VDA)?
- Welches Übertragungsprotokoll ist vorgeschrieben (AS2, AS4, OFTP2)?
- Welche Nachrichtentypen werden benötigt: nur Bestellungen, oder auch Lieferankündigungen und Rechnungen?
- Gibt es ein festes Datum, ab dem die Anbindung stehen muss?
- Stellt der Kunde ein technisches Pflichtenheft oder eine Partner-Spezifikation zur Verfügung?
2. Eigene Systemlandschaft prüfen
Als Nächstes lohnt ein ehrlicher Blick auf die eigene IT:
- Verfügt euer ERP-System über eine Schnittstelle, über die sich Daten strukturiert exportieren und importieren lassen?
- Sind die benötigten Daten (Artikelnummern, Preise, Lieferadressen) überhaupt in ausreichender Qualität im System gepflegt?
- Gibt es im Haus IT-Ressourcen, die sich um Projektsteuerung und spätere Betreuung kümmern können?
3. Make-or-Buy-Entscheidung treffen
Hier trennen sich die Wege: eigene Lösung aufbauen oder auf einen spezialisierten Dienstleister setzen.
- Eigene Lösung: sinnvoll, wenn EDI langfristig eine zentrale Rolle im Unternehmen spielen wird und entsprechendes Know-how intern aufgebaut werden soll.
- Dienstleister oder Clearing-Center: meist die schnellere und risikoärmere Option, gerade wenn nur ein oder wenige Handelspartner angebunden werden müssen und keine EDI-Erfahrung im Haus vorhanden ist.
4. Testphase mit dem Kunden einplanen
Kein Kunde schaltet eine neue EDI-Verbindung ohne vorherigen Test scharf. Üblich ist ein mehrstufiges Vorgehen:
- Technischer Verbindungstest: Kann eine Nachricht überhaupt zugestellt werden?
- Formattest: Werden die einzelnen Datenfelder korrekt befüllt und interpretiert?
- Fachlicher Test mit realistischen Beispieldaten aus dem laufenden Geschäft.
- Freigabe durch den Kunden für den produktiven Einsatz.
Plant für diese Phase ausreichend Zeit ein. Erfahrungsgemäß dauert der Testzyklus länger als ursprünglich angenommen, insbesondere wenn Rückfragen zwischen den beteiligten IT-Teams mehrere Abstimmungsrunden brauchen.
5. Monitoring und Support für den Regelbetrieb aufsetzen
Mit der ersten erfolgreichen Übertragung ist die Arbeit nicht getan. Für den laufenden Betrieb solltet ihr klären:
- Wer bemerkt es, wenn eine Nachricht fehlschlägt, und wie schnell?
- Gibt es einen Verantwortlichen für Rückfragen des Kunden bei Formatproblemen?
- Wie geht ihr mit Änderungen um, wenn der Kunde seine Spezifikation zu einem späteren Zeitpunkt anpasst?
Kurz zusammengefasst
Eine geforderte EDI-Anbindung wirkt im ersten Moment nach großem Aufwand, lässt sich aber mit klarer Struktur gut planen: Anforderungen klären, eigene Systeme prüfen, Make-or-Buy entscheiden, testen, den Regelbetrieb absichern. Wer diese fünf Schritte sauber durchläuft, übersteht auch enge Fristen ohne Panik.

